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.... Aufgewacht!

von Jorinde Schlichtig
23.06.2020

Ich bin 28 Jahre alt, mitten in meinem Fotodesign-Studium. Ich hatte es geschafft, unter 500 Bewerbern eine von 45 Auserwählten zu sein, die das Studium der Fotografie antreten durften..

 

Ich laufe über eine stark befahrene Straße. Ich bin fast schon auf der anderen Straßenseite angekommen, da sehe ich einen LKW von rechts kommen und in mir sagte eine Stimme: "Bleib einfach stehen, ist doch egal! Dann ist es endlich vorbei...!!!" Für eine Millisekunde spüre ich, wie ich innerlich aufgeben will, einfach stehen bleiben... doch dann steht etwas in mir blitzschnell auf und "geht mich" über den Rest der Straße, noch bevor der LKW mich erreicht.

 

WOW...!!! Was war das denn??! Ich bin wie vom Donner gerührt. Und mir ist schlagartig klar, dass ab jetzt etwas ganz anderes dran ist, als das Studium weiter zu machen.

 

Was ist da los mit mir, mit meinem Leben, so wie ich es gerade führe?

 

Burnout würde man heute vermutlich sagen. Damals kannte ich diese Diagnose noch nicht.. Ich musste Klarheit finden, brach das Studium ab und machte mich auf eine Reise in mein Inneres.

 

Diese Reise führte mich zu den verschiedensten Menschen und deren unterschiedlichen Methoden und brachte mich 2004 mit The Work von Byron Katie in Kontakt. Eine Freundin lieh mir Cassetten mit den Worten „Hör dir das mal an, das ist genial“! Ich hörte, wie Byron Katie mit Hilfe von vier Fragen Menschen durch ihre Lebens-Themen begleitete. Nach ca. 30 Minuten wandelte sich deren Zustand von Verzweiflung, Wut und Enttäuschung zu innerem Frieden, Lachen und Klarheit.

 

Mich berührte Byron Katies liebevolle, messerscharfe Klarheit, ihr Humor. Und wie die Menschen, mit denen sie die Work machte, durch ihre eigenen Antworten, die nur sie in sich finden konnten in kürzester Zeit aus ihrer selbstkreierten Hölle aussteigen konnten. Sie konnten erkennen, dass sie diese Hölle selbst erschaffen hatten, und auch, dass sie selbst zur freundlichen Realität zurück finden können.

 

Das Gehörte hat mich zutiefst erreicht, ich saugte es auf wie ein trockener Schwamm! Darüber wollte und musste ich mehr erfahren! Von diesem Tag an war und ist The Work mein ständiger Begleiter.

Konzept für Konzept - über mich und meine Mitmenschen, die Welt, wie ich sie wahrnahm - habe ich überprüft und mich so Stück für Stück aus meiner Hölle gezogen. Meine Hölle hieß "Ich bin nicht gut genug", egal in welchem Bereich und bestand aus Perfektionismus, Vergleich und der Suche im Aussen nach Liebe, Anerkennung und Wertschätzung für das, was ich tue. Es gibt diese Suche und das Konzept des "nicht gut genug seins" nach wie vor in meinem Leben, aber durch die Work an meiner Seite sind es eher selten gewordene "Vorhöllchen" geworden, die es nicht mehr schaffen, mir meinen Lebensmut und die Lebensfreude zu nehmen.

 

Dieser Prozess hat mich zu einem so viel mutigeren, authentischeren, mit mir sehr verbundenen Menschen gemacht. Ich gehe meinen Weg so wie ich ihn gehen WILL und KANN, und nicht mehr so sehr orientiert daran, wie ich ihn gehen SOLLTE.

 

Das viele "Sollte und Müsste" in meinem Leben vor dem LKW war der Grund für meine völlige innere Kapitulation gewesen. Das habe ich mir versprochen, werde ich mir nie wieder antun! Ich arbeite täglich daran.

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