vtw Storys

Die Präsentation

von Jana Rosenthal
21.03.2021

Neulich habe ich meiner Chefin erzählt, dass ich neben meinem Job eine Ausbildung zum Coach für The Work gemacht habe. Sie fand das spannend und schlug vor, dass ich demnächst einmal der ganzen Abteilung davon berichte und die Methode vorstelle.

 

Meine erste Reaktion war Erleichterung und Freude: Super, dass sie so offen dafür ist! Und wie toll, dass ich die Möglichkeit bekomme, meinen Kollegen von The Work zu erzählen.

 

Dann spürte ich, wie sich langsam eine graue Wolke in meinem Inneren ausbreitete. Sie verdichtete sich mehr und mehr zu einem kleinen, harten Klumpen in meinem Bauch. Sofort hielt ich Ausschau nach dem stressigen Gedanken, der dieses Gefühl ausgelöst hatte:

 

Und da war er auch schon: „Sie finden mich abgehoben.“

 

Wie reagiere ich, was passiert, wenn ich diesen Gedanken glaube? Ich spüre sofort Angst vor der Präsentation. Ich habe Angst davor, von meinen Kollegen negativ bewertet zu werden. Ich fürchte mich davor, was sie über mich denken könnten: Was, sie will ein Coach sein? Was will sie uns denn beibringen? Glaubt sie jetzt, dass sie es besser weiß als wir?

 

Aus Angst vor dieser negativen Bewertung fange ich an, mir ganz genau zu überlegen, wie ich die Präsentation so gestalte, dass meine Kollegen sofort verstehen, was The Work ist und wie hilfreich es für sie sein kann. In Gedanken entwerfe ich die perfekte Präsentation für sie, die keine Fragen offenlässt und nur Begeisterung auslöst. Dadurch entsteht ein riesengroßer Druck in mir. Ich fühle mich ohnmächtig: Woher soll ich denn wissen, was hilfreich für meine Kollegen ist? Ich werde immer konfuser und weiß am Ende gar nicht mehr, wie ich auch nur anfangen soll, die Präsentation zu erstellen. Meine Freude hat sich komplett aufgelöst. Jetzt ist da nur noch Druck und Stress.

 

Dann gehe ich noch einmal zurück zu dem Moment, wo meine Chefin mir vorschlägt, meinen Kollegen The Work vorzustellen. Ich stelle mir die vierte Frage von The Work „Wer wärst du ohne den Gedanken?“. Wenn ich nicht glaube, dass meine Kollegen mich abgehoben finden, dann spüre ich sofort ein Kribbeln im Bauch, eine leichte Aufregung, eine Vorfreude. Meine eigene Geschichte mit The Work fällt mir ein und wie ich nach und nach das Geschenk der Work ausgepackt habe. Das ist die Geschichte, die ich meinen Kollegen erzählen möchte. Es fühlt sich stimmig an, einfach von mir zu berichten.

 

Die Umkehrung zu mir führt mich noch mehr zu mir selbst: „Ich finde mich abgehoben.“ In meiner Vorstellung habe ich mich über meine Kollegen gestellt aus Angst vor ihrer negativen Bewertung. Ich habe geglaubt, meine Präsentation müsste perfekt und besonders hilfreich sein, damit ich ihre Wertschätzung nicht verliere. Damit habe ich habe mich auch von mir selbst abgehoben, weil ich mich nur auf meine Kollegen fokussiert habe und das, was ich eigentlich sagen möchte, gar nicht im Blick hatte.

 

Diese Erkenntnis bringt mir meine Freude über die schöne Gelegenheit, meinen Kollegen etwas über die Work zu erzählen, zurück. Wenn ich jetzt an die bevorstehende Präsentation denke, fühle ich mich ihnen verbunden – und mit mir selbst.

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