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Kaum ein Gedanke hat mich so konsequent über viele Jahre begleitet wie dieser: „Ich bin nicht gut genug.“
Mal laut, mal leise, mal offensichtlich, mal gut getarnt.
Er erschien als „nicht kompetent genug“, „nicht liebenswert genug“, „nicht mutig genug“, „nicht erfolgreich genug“ oder „nicht weit genug auf meinem Weg“. Egal, was ich erreichte, es schien immer noch Luft nach oben zu geben.
Wenn etwas gut lief, fand dieser Gedanke zuverlässig die Dinge, die ich hätte besser machen können. Wenn etwas nicht gelang, hatte er den Beweis gleich mitgeliefert.
Lange habe ich geglaubt, dass dieser innere Druck notwendig sei. Dass er mich antreibt, besser zu werden.
Tatsächlich brachte er mich dazu, viel zu lernen, viel zu leisten und hohe Ansprüche an mich selbst zu stellen.
Der Preis dafür war allerdings hoch.
Leichtigkeit ging verloren. Freude wurde oft von Selbstkritik überschattet. Erfolge fühlten sich selten wie Erfolge an, weil mein Blick bereits auf dem nächsten Mangel lag.
The Work hat meine Beziehung zu diesem Gedanken grundlegend verändert.
Immer wieder schrieb ich auf: „Ich bin nicht gut genug.“
Und dann stellte ich die erste Frage:
Ist das wahr?
Natürlich schien die Antwort zunächst offensichtlich. Mein Verstand hatte schließlich unzählige Beispiele gesammelt.
Doch die zweite Frage brachte Bewegung hinein:
Kann ich mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
Hier wurde es plötzlich still.
Denn wenn ich ehrlich war, konnte ich es nicht wissen.
Ich begann zu bemerken, wie sich mein Leben verändert, wenn ich diesen Gedanken glaube.
Ich vergleiche mich.
Ich setze mich unter Druck.
Ich übersehe das Gute.
Ich mache Fehler zu Beweisen gegen mich.
Und ich behandle mich oft härter, als ich jemals einen anderen Menschen behandeln würde.
Mit der Zeit wurde etwas sichtbar, das ich vorher kaum wahrgenommen hatte.
Ich hatte mir angewöhnt, fast automatisch auf das zu schauen, was fehlte. Auf das, was noch nicht perfekt war. Auf das, was ich anders hätte machen können.
Durch The Work entstand eine neue Frage:
Was spricht eigentlich für mich?
Anfangs fiel mir das überraschend schwer. Doch je öfter ich hinschaute, desto mehr Beispiele fand ich.
Ich begann aufzuschreiben, was gelungen war. Nicht nur die großen Dinge, sondern auch die kleinen.
Ein gutes Gespräch.
Ein mutiger Schritt.
Ein Moment, in dem ich freundlich mit mir war.
Eine Situation, die ich trotz Angst gemeistert hatte.
Einfach nur da zu sein, obwohl gerade vieles schwer war.
Nach und nach entstand daraus eine neue Gewohnheit - ein Erfolgstagebuch zu führen, für alles was gelungen ist und das sind oft die kleinen Dinge.
Während mein innerer Kritiker nach Fehlern suchte, begann ein anderer Teil von mir nach Beweisen für meine Stärken Ausschau zu halten.
Nicht um etwas schönzureden, sondern um die ganze Wahrheit zu sehen.
Heute taucht der Gedanke „Ich bin nicht gut genug“ immer noch gelegentlich auf.
Der Unterschied ist, dass ich ihm nicht mehr automatisch glaube.
Ich höre ihn. Ich hinterfrage ihn. Und oft muss ich darüber lächeln.
Denn immer wieder zeigt sich, dass der Gedanke zwar laut sein kann – aber deshalb noch lange nicht wahr ist.
The Work hat mir nicht Perfektion geschenkt.
Etwas viel Wertvolleres:
Mehr Freundlichkeit mit mir selbst.
Und genau das fühlt sich für mich inzwischen mehr als gut genug an.
