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vtw Storys

Ein großer Dank an die Dankbarkeit

von Alice Guldenbrein
09.06.2026

Wann immer Unzfriedenheit aufkommt, wirkt es bei mir Wunder mich auf all das zu fokussieren, was gerade gut läuft, wofür etwas wichtig ist und wofür ich in all dem Nervigen trotzdem dankbar bin. Das kann der nächste Atemzug sein, den ich fast immer für viel zu selbstverständlich nehme, oder das Dach über meinem Kopf, meine Gesundheit, die liebevollen Menschen, die in meinem Leben sind und eigentlich alles was ist. 

 

Dankbarkeit verändert meinen Blick und Dankbarkeit ist für mich der Schlüssel zum Glück. Sie bringt mich in eine demütige Position, die nichts für selbstverständlich nimmt, bringt mich der Realität viel näher als die Geschichte, die ich mir gerade erzähle über alles, was in diesem Moment nicht so läuft, wie ich glaube, dass es sein sollte.

 

Denn erstaunlich oft leide ich nicht an dem, was tatsächlich passiert. Ich leide an der Vorstellung, wie es stattdessen sein sollte. Und The Work hat mir schon so oft dabei geholfen, genau das zu erkennen.

 

Immer wieder entdecke ich Gedanken wie:

 

„Das sollte nicht passieren.“

 

„Er sollte sich anders verhalten.“

 

„Sie müsste mehr Rücksicht nehmen.“

 

„Die Situation sollte anders sein.“

 

Und dann kommen die Fragen ... Kann ich wirklich wissen, dass das wahr ist? Kann ich mit absoluter Sicherheit wissen, dass meine Vorstellung die bessere Wahl wäre? Auf lange Sicht und für alle Beteiligten? Phuuu ...

 

Je länger ich mit diesen Fragen lebe, desto vorsichtiger werde ich mit meinen Urteilen. Denn wenn ich ehrlich bin, weiß ich meistens gar nicht, was für alle Beteiligten das Beste wäre. Kann ich nicht und muss ich auch nicht wissen. Und das empfinde ich in klaren Momenten als große Erleichterung.

 

Ich muss das Leben nicht kontrollieren. Ich muss nicht entscheiden, wie andere Menschen sein sollten. Meine eigentliche Aufgabe liegt ganz woanders. "Staying in my own business is a full time job" (Katie) :) 

 

Spannend ist für mich nicht mehr so sehr, was um mich herum passiert. Spannend ist, wie ich darauf reagiere. Ob ich meinen inneren Frieden verliere oder wiederfinde. Ob ich mich in einer Geschichte verfange oder bereit bin, sie zu hinterfragen.

 

Also bin ich auch dankbar für alle aufmüpfigen, unfreundlichen, ignoranten, rücksichtslosen Menschen da draussen, die meine Knöpfe drücken. Ein großes Dankeschön an all die Verkehrsteilnehmer, die sich nicht so verhalten, wie ich das für richtig halte, die nicht blinken beim Verlassen des Kreisverkehrs und auch an die, die ohne ersichtlichen Grund im Schneckentempo dahinkriechen.

 

Denn all diese Momente zeigen mir etwas über mich. Sie machen sichtbar, welche Gedanken ich gerade glaube, wo ich noch nicht frei bin. Und sie laden mich ein, genauer hinzuschauen.

 

Natürlich gelingt mir das nicht immer. In guten Momenten kann ich das so sehen und für die anderen weiß ich ja, was ich zu tun habe! Manchmal rege ich mich trotzdem auf. Manchmal merke ich erst viel später, dass ich wieder einmal genau wusste, wie die Welt sein sollte. Aber auch das gehört dazu.

 

„The Work is a practice“, sagt Byron Katie. Und genau so erlebe ich es.

 

Immer wieder bekomme ich neue Gelegenheiten zu üben. Manchmal in stillen Momenten. Und manchmal im Kreisverkehr. Für beides bin ich dankbar.

 

"Everything happens FOR me, not TO me" (Katie) - also danke für den Trigger!

 

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