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Da hatte ich einmal meine Bedenken beiseite gelassen und meine Begeisterung führen lassen, da kommt das Gewünschte nicht zustande. Wie kann das sein? Ich hatte doch einen Meilenstein in den Überprüfungen bewegt und die Gelegenheit ergriffen und allen Mut zusammengenommen!?
"Das ist ungerecht! Die andern sind doof, haben mir keinen Platz gelassen, nur sich selbst gesehen ..."
"Ich habs vermasselt. War nicht deutlich genug, zu zurückhaltend und unklar ..."
Die Gefühle waren überwältigend, eben noch beseelt vom Fest und den Beiträgen, auf einmal verzweifelt weinend und voller (Selbst-) Vorwürfe. Ich sehe, wie im Außen die Freude weiterlebt, ich weiß, daß auch ich eben noch ... ... und ich bemerke meine Gedanken, bemerke die Kraft, die sie entfalten und die Gefühle, die so vertraut sind: Ich war in der Grundschule und das Krippenspiel sollte aufgeführt werden. Ich hatte mich für die Maria gemeldet, Maria, die mir so vertraut war, die konnte ich doch am besten ... Und dann hat eine andere die Rolle bekommen und ich hätte ein Hirte sein können, ein Hirte! Die Enttäuschung war groß und so "musste" ich zumindest meinen Stolz bewahren und zeigen, daß es mir nix ausmacht. "Pff, soll doch die andere das ruhig spielen, ist sowieso blöd so ein Krippenspiel" usw. usf. So hatte ich die Gedanken und Gefühle konserviert und manches mal in meinem Leben reinszeniert.
Doch an diesem Abend, nach mehr als drei Monaten täglichen Überprüfens meiner stressvolen Gedanken mit The Work, konnte ich erkennen, wie ES dachte und die alten gespeicherten Gefühle sich in der sicheren Umgebung bahnbrachen (sicher u.a. deshalb, weil niemand meinen Prozess unterbrach). Und ich habe mitten in diesem Gefühlssturm Zettel und Stift genommen und meine Gedanken ungezügelt aufgeschrieben - wow, wie habe ich da geschimpft! Und da musste ich schon unter Schluchzen auch lachen, so absurd waren diese Urteile. Und liebevoll dabeibleiben, NO DECISION, einfach schreiben, erst die Urteile, dann ein ganzes Arbeitsblatt.
Der nächste Schritt war, das Geschriebene zu teilen, die vier Fragen zu beantworten und die Umkehrungen zu fühlen. Das Ganze war wie eine Abflussreinigung für mich - es wird sichtbar, wird aufgeweicht (und der Gesatnk kommt zutage), es kommt in Bewegung und fließt ab.
Dass die Überprüfung mittels The Work auf gleichrangiger Ebene passiert, Gedanken nicht persönlich genommen werden und gleichzeitig so viel Wohlwollen mitschwingt, das macht für mich den Zauber von The Work und Byron Katie aus.
