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vtw Storys

Schau mir in die Augen, Kleines!

von Dorothee Nehrenberg
01.11.2022

The Work gab mir den Mut, das zu tun, was ich liebe: Mit Menschen in Kontakt zu kommen.

 

Im April 2022, 1. Ausbildungswoche zum Coach, wurde ich von E. begleitet. Meine stressvolle Überzeugung war: "Ich mag anderen Menschen nicht in die Augen gucken."  Im Alter von zwei Jahren habe ich mir mein rechtes Auge so verletzt, dass ich mit diesem Auge nichts sehen kann. Aus kosmetischen Gründen trage ich eine Glasprothese. In der Grundschule wurde mir dieses "Anderssein" zum ersten Mal bewusst gemacht. In der Folge habe ich mich jahrelang versteckt, hatte Angst, irgendwohin zu gehen, wenn es mit der Kontaktaufnahme zu anderen Menschen verbunden war. Ich ging in die Vermeidung, nahm mir Lebensfreude und meine Begeisterung für die Welt. Ich mochte mich nicht, ich mochte mein Verhalten nicht und auch nicht, wie ich andere Menschen behandelte, wenn ich sie nicht anguckte, obwohl es die Situation gebot.

 

Nach meiner Work lud  E. mich dazu ein, in der Mittagspause den Realitycheck hinsichtlich der von mir während der Work geäußerten Befürchtungen zu machen. Passte super. Ich musste mein Fahrrad aus der Werkstatt abholen. Dort angekommen starrte ich gefühlte Stunden dem Werkstattfritzen provokant ins Gesicht, wartete und dann passierte es: Nämlich nichts! Er guckte einfach nur zurück. Dem Zweifler in mir reichte das noch nicht, ich setzte eins drauf. Abends hatte ich netter Weise frei bekommen, um einen Klavierkabarettisten genießen zu können. Ich beschloss das Gegenteil von meinem früheren Verstecken zu zelebrieren und fummelte mich in ein schrilles Outfit. Möglichst viele Menschen wollte ich zum "Guckt-mich-an" bewegen und auf ihre Reaktionen warten. Und wieder passierte nichts. Keine meiner Befürchtungen der letzten 50! Jahre wurde wahr.

 

Die Erinnerung an diesen Tag, Freude im Überfluss, beschwingt und beflügelt wie ich war, reichte mir dann irgendwann nicht mehr. Ich wechselte von mutig zu risikoreich und lebe die gewonnene Freiheit in meinem Beruf. Meine Augen-Story kommt auf`s Tablett, wenn ich sehe, ja SEHE, dass mein Gegenüber so aufmerksam ist, dass ihm/ihr etwas an mir auffällt. Dass ich das jemals können würde: Offen ansprechen, zu mir stehen, sogar das Bedürfnis zu haben, für Klarheit bei Irritationen zu sorgen- Jahrzehnte zuvor, undenkbar, unlebbar! 

 

Inzwischen bade ich in der Freude, Menschen mit Begeisterung ins Gesicht, in die Augen zu schauen und genieße diese wunderbare Kontaktvertiefung. Und ich habe beschlossen aufzuholen, was mir in über 50 Jahren verloren gegangen war. Schaffe ich. Schießlich haben die meisten Menschen zwei Augen zum Angucken:)

 

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