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Ein Brief an dich

von Susanne Große-Venhaus
05.02.2020

Ach, wenn ich dich so beobachte, mein lieber Mensch, wird mir manchmal weh ums Herz. Und zugleich, bin ich so gerne an deiner Seite, schau mir an, wie du gegen die Unbilden deines Lebens kämpfst und höre nicht eine Sekunde auf, dich zu lieben.

 

Ich weiß natürlich, dass du die meisten dieser Kämpfe gar nicht ausfechten müßtest und doch verstehe ich, dass du sie ausfechten mußt, weil du eben glaubst, was du glaubst.

 

Ich bin niemand der sich aufdrängen mag, meine Stimme ist sehr leise. Ich weiß, es gibt diese Momente, da kannst du sie hören. Und dann kommt wieder das laute Stimmengewirr all deiner Gedanken. Ich weiß, wenn ich laut auftrumpfen würde und um Aufmerksamkeit schreien, dann würdest du das zwar vielleicht hören, aber es würde dich nicht erreichen.

 

Also warte ich. Warte, bis du anfängst mich zu suchen, weil du es wirklich wissen möchtest. Ich mag dieses neue Suchtool, dass du da gefunden hast. The Work nennst du das.

 

Aber ich mag nicht, wenn du damit versuchst, mich zu bedrängen, wenn du schon vorher glaubst, du wüsstest, was ich dir antworten werde und mir in deinem Hirn quasi das Ergebnis schon vorschreibst. Dann ziehe ich mich zurück.

 

Weil weißt du, ich vertraue dir und deinem Weg.

 

Und ich spüre sofort, wenn du wirklich still wirst mit diesen Fragen aus diesem The Work-Ding. Wie du leise, ja fast behutsam und auch ein bißchen ängstlich und zugleich unglaublich mutig fragst.

 

Du nimmst dir einfach einen Gedanken, den du bis dahin fest geglaubt hast und dann nimmst du deinen ganzen Mut zusammen und traust dich, den zu hinterfragen. "Ist das wahr" fragst du dich selbst? Wow, du tust es. Und du bist ehrlich mit der Antwort die dann kommt. Ich mische mich da wenig ein. Manchmal siehst du mich nur im Nebel und das ist auch gut so. Ich kann nur in Muße und Weite zu dir kommen.

 

Und du stellst dir weitere Fragen, ob du sicher sein kannst, dass das was du bisher glaubtest, wirklich wahr ist. Und wie du reagierst, wenn du das glaubst.

 

Ich bin hier sowas wie dein stiller Assistent. Ich sitze hier hinter dem Nebel und spüre, wie er sich mit jeder Frage ein wenig lichtet. Mal geht das recht zügig, mal dauert es sehr lange. Ich kann warten, ich liebe dich sowieso.

 

Und jetzt fragst du dich, wer du wohl wärest ohne den Gedanken, an den du bisher so fest geglaubt hast.

 

Wow. Du bist sooo mutig! Dein ganzes Kartenhaus könnte zerbrechen mit dieser Frage. Deswegen verstehe ich auch, wenn du schnell über sie hinweghuschst oder gleich stur und bockig sagst, dass du dir das nicht vorstellen kannst.

 

Und ich sitze hier und warte auf dich, weil ich dich liebe.

 

Und du kommst wieder und wieder und fragst und fragst und so langsam sehen wir uns. Der Nebel wird immer dünner.

 

Du machst dann noch so eine Art Grammatikübung, die nennst du Umkehrung und spätestens jetzt wird The Work eigentlich zu The Play. Wir zwei halten uns jetzt an den Händen und tanzen zusammen, mal zaghaft und schüchtern, mal ganz kraftvoll und klar. Und ich sehe dich leuchten in deiner ganzen Kraft.

 

Ich weiß, wenn das hier vorbei ist, kann es sein, dass der Nebel zurückkommt. Und ich weiß auch, du hast mich jetzt gesehen, du weißt, wie du mich findest. Und bis dahin kann ich warten, weil ich liebe dich.

 

Ach, ich hab mich noch gar nicht vorgestellt: ich bin deine innere Wahrheit, ich bin die, die dich nie verlässt. Ich liebe dich.

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